Der Tote vom Ellebachfließ

 

eine kleine Leseprobe

Der Tote vom Ellebachfließ

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Hannelore und Wolfgang hatten sich mit den Schätzleins verabredet. 

Nach einem ersten gemütlichen Beisammensein in der Märkischen Straße, war nunmehr eine Einladung von den Schätzleins nach Stetternich ausgesprochen worden. 

Beim ersten Revival Treffen hatten Hannelore und Wolfgang sich große Mühe gegeben, das Essen und die Getränke entsprechend dem Motto abzustimmen. 

Es war gar nicht schwierig, sich an alte Zeiten zu erinnern und schnell sah man vor seinem geistigen Auge, was damals den Gaumen erfreute. 

In Erinnerung an Jugendzeiten brachte Hannelore Schinkelröllchen mit Spargel gefüllt, Russenei, Mettigel und Käsepickser mit Trauben auf den Tisch. Dazu noch eine Platte mit Schnittchen. 

Wolfgang hatte sich auch ins Zeug gelegt, was die Getränkeauswahl anging. 

Er trug mit Erdbeerbowle plus ordentlich „Schuss“ zum Gelingen des gemütlichen Abends bei. Selbstverständlich servierte er zum Abschluss seinen „Besten“, der immer den Höhepunkt eines gelungenen Abends darstellte. Natürlich konnte der Eierlikör auch zur Kaffeetafel gereicht werden. Er passte immer!

Diesmal sollte es eine nostalgische Kaffeetafel werden. 

 

Ulla hatte einen gemischten Obstboden mit Sahne und eine „kalte Schnauze“ versprochen. Besonders Wolfgang, der Genussromantiker, freute sich auf die kalorienreiche Kuchenauswahl. 

 

Die drei Wanderer passierten eines der vielen Jülicher Neubaugebiete, welche hier vor 15/20 Jahren entstanden waren. 

 

 

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Gebaut wurde in Jülich viel. Überall schossen Neubauten empor. Oft, dem Bebauungsplan angepasst, Ein- und Zweifamilienhäuser, an anderer Stelle riesengroße Wohnblocks mit Wohnungen, die gern an zahlungskräftige Senioren vermietet wurden. Denn, welche junge Familie konnte sich eine derartige Wohnung leisten?

Hannelore blieb plötzlich stehen und fragte: „Weißt du, Wolfgang, was das hier sein soll?“

Sie zeigte auf eine eingezäunte Parzelle, die teilweise gepflastert und mit großen Betonplatten versehen war. 

„Genau weiß ich es leider nicht, Frau Nachbarin. Ich glaube, dass hier ist ein Areal von den Jülicher Stadtwerken. Irgendwo hier sind die Tiefbrunnen der Stadtwerke. 

Stell dir vor, bis zu 130 m tief sind diese Brunnen angelegt. Wenn ich mich recht erinnere soll sogar noch ein vierter Brunnen hier gebohrt werden, der dann 200 m tief werden soll. Weiter hinten in dem kleinen Wäldchen gibt es auch noch eine Anlage, die von den Stadtwerken betrieben wird. Also, unsere Wasserversorgung hier im Städtchen scheint vorerst gesichert.“ 

Wolfgang schmunzelte und freute sich, dass er Hannelores Frage fachmännisch beantworten konnte, auch wenn am Ende ein kleines Fragezeichen stand, da er den genauen Standort der Brunnenanlage nicht kannte. 

 

Hannelore und Wolfgang ließen Lavendelweg, Hopfenweg, Veilchen- und Malvenweg rechts liegen und spazierten gut gelaunt ins freie Feld. 

„Hier hat man die Stadt schon hinter sich gelassen und läuft (fast) durch pure Natur. Schön ist es hier, gell Hannelörchen?“

„Du sagst es, Wolfgang, unser Jülich hat etwas. Oder nein: Jülich hat ALLES, was man zum Leben braucht. Zum Beispiel Arbeitsplätze durch das Forschungszentrum, die Zuckerfabrik und die vielen anderen Firmen, die im Gewerbegebiet angesiedelt sind. 

Wenn erst einmal der Brainergy Park auf der Merscher Höhe komplett besiedelt ist, kommen – so hoffe ich – noch viel mehr Arbeitsplätze dazu. Dann ist es selbstverständlich auch klar, dass neuer Wohnraum geschaffen werden muss.“

„Hast du heute die Philosopheritis, Hannelörchen?“

„Nee, Wolfgang, ich stelle nur fest.“

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